L-drive Schweiz verlangt mehr Gewicht für die Verkehrssicherheit
L-drive Schweiz unterstützt den Gesamtverkehrsansatz des Bundesrates. Der Verband lehnt aber die Streichung von 31 Nationalstrassenprojekten ab. In seiner Vernehmlassungsantwort zu Verkehr ’45 fordert der Dachverband der Fahrlehrerschaft zudem, die Verkehrssicherheit als eigenständiges Kriterium zu verankern.
Der Bundesrat behandelt Nationalstrassen, Bahninfrastruktur und Agglomerationsverkehr erstmals in einer gemeinsamen Vorlage. L-drive Schweiz begrüsst diesen Ansatz. Er überzeugt aber nur, wenn alle Verkehrsträger nach ihrer tatsächlichen Funktion weiterentwickelt werden. Die Strasse erbringt den grössten Teil der Verkehrsleistung und finanziert ihre Infrastruktur weitgehend selbst. Zudem leistet sie erhebliche Beiträge an Bahn und Agglomerationsverkehr. Die Stellungnahme ist mit den Positionen der Strassenverkehrsverbände abgestimmt.
Projektreservoir statt Streichliste
L-drive Schweiz lehnt die 31 vorgesehenen Projektstreichungen ab. Die Projekte sollen im strategischen Entwicklungsprogramm bleiben und bei Bedarf später realisiert werden. Der Handlungsbedarf ist ausgewiesen: 2025 wurden auf den Nationalstrassen 68'040 Staustunden registriert, rund 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Pannenstreifenumnutzungen unterstützt der Verband als Übergangslösung. Bauliche Erweiterungen dürfen sie aber nur ersetzen, wenn ihre gleichwertige Wirkung nachgewiesen ist. Die unbefristete Weiterführung des zusätzlichen Mehrwertsteuerpromilles zugunsten der Bahn lehnt L-drive Schweiz ab.
Verkehrssicherheit als eigenständiges Kriterium
Als Fachverband der Fahrlehrerschaft setzt L-drive Schweiz einen eigenen Schwerpunkt. Überlastete Autobahnen verdrängen Verkehr in Dörfer, Quartiere und Schulwegbereiche. Dort steigen die Risiken für den Fuss- und Veloverkehr. Pannenstreifenumnutzungen verändern zudem die Sicherheitsreserven der Autobahn und stellen Neulenkende vor besondere Anforderungen. L-drive Schweiz verlangt deshalb, die Verkehrssicherheit bei jedem Ausbau-, Verzichts- oder Ersatzentscheid systematisch zu beurteilen. Neue betriebliche Massnahmen sollen frühzeitig in Fahrausbildung, Lehrmittel und Führerprüfung einfliessen.
«Wer Verkehr von der Autobahn in die Dörfer drängt, verschiebt nicht nur Staus, sondern auch Unfallrisiken», sagt Michael Gehrken, Präsident von L-drive Schweiz. «Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer erleben das täglich. Diese Praxiserfahrung bringen wir gerne ein.»