Fahrlehrer:innen

Profis auch im Fall von Handicaps

Die Fahrschule Koch in Regensdorf hat vom Töff bis zum Camion alles im Repertoire. Das Führungsduo Koch/Schwendimann hat sich zudem für die Ausbildung von Menschen mit Handicap einen Namen gemacht.

Eigentlich läuft alles normal. Auf der Rücksitzbank des VW Caddy der Fahrschule Koch fühlt es sich an, wie eine komplett normale Fahrstunde. Milena Vulin lenkt das Auto mit der für Fahrschüler:innen üblichen Vorsicht durchs Quartier auf die Hauptstrasse und weiter auf die Überlandstrasse. Fahrlehrer Thomas Müri gibt mit grosser Ruhe und nicht zu oft den einen oder anderen Hinweis, stellt, wenn Zeit ist, auch mal eine Frage zum Verkehrsgeschehen.

Dennoch ist die Übungsfahrt für Milena Vulin keineswegs banal. Ihr Arm und ihr Bein rechts sind seit Geburt beeinträchtigt, für Fahrmanöver fällt der rechte Arm ganz aus. Also macht sie alles mit links: Die Pedalerie des Automatik-Fahrzeugs ist entsprechend umgestellt, sie dirigiert den Caddy über eine Art Steuerknüppel am Lenkrad; Tasten für Licht, Blinker und Scheibenwischer sind darin integriert.

Fahrlehrer Müri ist Teil des rund zwanzigköpfigen Teams der Fahrschule Koch in Regensdorf. Eine Fahrschule mit Tradition, gegründet 1973 von Markus Koch. Seit 1995 wird sie von Sohn Mario Koch geführt und seit dem Zusammenschluss 2010 von Mario Koch und Beat Schwendimann. Seit 2019 werden auch Lastwagenfahrer:innen ausgebildet, damit kann man Koch-Schwendimann als Fahrschul-Vollanbieter bezeichnen.

Fahrschule für Menschen mit Handicap

Seit gut acht Jahren ist Koch auch die Fahrschule für Menschen mit Handicap. Eine besondere Herausforderung, die Beat Schwendimann mittlerweile als «meine Berufung» bezeichnet. Sein Engagement fusst in der Überzeugung, dass Mobilität mit dem Auto im Rahmen des Machbaren – für alle zugänglich sein sollte. Er fühle sich auf der glücklichen Seite des Lebens, so Schwendimann, dieser Teil der Fahrschule sei sein Weg, «der Gesellschaft etwas zurückzugeben». Das Kommerzielle hingegen stehe nicht im Zentrum.

 

Nicht etwa ein grauer Kleinwagen wurde umgebaut, sondern ein Maserati. «Es soll ein Lichtblick im Umschulungsprozess sein, wir möchten Freude schenken.» Trotz hohen Investitionen und beträchtlichen Beratungsaufwand, kostet die Umschulung mit dem Maserati gleichviel wie mit dem üblichen Fahrschulfahrzeug. Autofahren bedeutet Freiheit und Lebensfreude zugleich. Ohne unseren grosszügigen Partner mit viel Herz, wäre das Herz-Projekt nicht möglich.

In der Fahrschule für Menschen mit Handicap, geht es nicht in erster Linie um Technik, sondern um Emotionen und auch menschliches Leid. «Es ist eine dankbare Aufgabe, aber auch eine belastende». Das habe er in den Anfangsjahren «energetisch» noch zu wenig im Griff gehabt, blickt Schwendimann zurück.

«Kontaktieren Sie uns. Sie werden überrascht sein, was alles möglich ist.» Diese Sätze auf der Homepage der Fahrschule Koch seien wichtig, findet Beat Schwendimann. «Wenn es von rechtsmedizinischer Seite keine Einwände gibt, ist technisch fast alles möglich.» Konkret: Selbst Tetraplegiker können ein Auto sicher bedienen. Und auch mit diversen anderen Einschränkungen könne man umgehen. «Die Eltern von Kindern mit einem Handicap sollen dies frühzeitig erfahren, sie sollen wissen, dass es für ihren Nachwuchs bezüglich Mobilität eine Perspektive gibt.»

Mehr alltägliche Dinge selbständig erledigen

Dennoch ist es kein Kinderspiel. Auch nicht für Milena Vulin, obschon sie im Auto alles mit links erledigt. Thomas Müri muss ab und zu unterstützend eingreifen. Die Fahrschülerin tut sich nach Schulterblicken schwer, die Spur zu halten. Einhändig fahrend präzis den Kurs zu halten ist knifflig und erfordert viel Übung. Nach der Doppellektion mit Fahrten von 30er Zone bis Autobahn ist sie dennoch guter Dinge. «Nein, allzu anstrengend war es nicht.» Die Motivation, den Führerausweis zu erlangen, ist für sie leicht formuliert: «Ich möchte einfach mehr alltägliche Dinge selbständig erledigen können.»

Inklusion in der Fahrausbildung

Inklusion – Menschen mit Behinderung werden nicht nur in die Gesellschaft eingebunden, sondern die Umwelt muss auch ihren Bedürfnissen angepasst werden – auch in der Fahrausbildung.

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