Parlament hinterfragt Evaluation zur einjährigen Lernphase
Nationalrätin Gabriela Suter (SP/AG) hat in der Junisession eine Interpellation eingereicht, die sechs präzise Fragen an den Bundesrat zur Belastbarkeit der ASTRA-Evaluation der einjährigen Lernphase stellt.
Die Wirkungsanalyse zur einjährigen Lernphase und zum Fahren mit 17 ist weiterhin Thema im Parlament. Der Evaluationsbericht des ASTRA kommt zum Schluss, die Verkehrssicherheit habe sich «mit hoher Wahrscheinlichkeit verbessert». Nationalrätin Gabriela Suter (SP/Aargau) fragt jetzt den Bundesrat, ob diese Formulierung auf dem Punktschätzer von −18,3 Prozent oder auf der statistisch massgebenden unteren Grenze des 95-Prozent-Konfidenzintervalls beruht. Diese liegt lediglich bei −4,7 Prozent (selbstverursachte Unfälle) beziehungsweise −9,5 Prozent (alle Unfälle) – also um den Faktor 2,8 bis 3,9 unter dem in der ASTRA-Sensitivitätsanalyse genannten Wert.
Fahrleistung als Erklärung?
Das Bundesamt für Statistik BFS weist für die Jahre 2022 bis 2024 eine anhaltende Pro-Kopf-Fahrleistungsabnahme von 13 bis 14 Prozent gegenüber 2019 aus. Mit der Interpellation möchte Gabriela Suter deshalb wissen, ob sich der ausgewiesene Sicherheitsgewinn eventuell nicht sogar vollständig durch die Abnahme an Fahrkilometern erklären liesse – und nicht durch die Wirkung der Lernphasenregelung.
Qualität der Fahrausbildung: Fahrlehrer:in nicht gleich Laienbegleitung
Die Interpellation hinterfragt zudem ausdrücklich die empirische Grundlage für die vom ASTRA vorgenommene implizite Gleichsetzung einer Lektion mit Fahrlehrerin mit einer Stunde privater Begleitung. Die internationale Forschungsliteratur belegt seit Jahren erhebliche Qualitätsunterschiede – insbesondere bei der Risiko- und Gefahrenwahrnehmung. Nationalrätin Suter und ihre Mitstrteiter:innen möchten deshalb wissen, wie der Bundesrat den Rückgang professioneller Fahrstunden von 14,1 auf 12,2 Stunden bei gleichzeitigem Anstieg der privaten Begleitstunden von 27,4 auf 37,5 Stunden beurteilt.
Ein Signal aus dem Parlament
Für L-drive Schweiz ist dieser Vorstoss ein wichtiges Signal: Die Diskussion um die Belastbarkeit der Wirkungsanalyse ist jetzt im eidgenössischen Parlament angekommen. Der Bundesrat muss bis zur nächsten Session antworten.
Der vollständige Vorstosstext ist auf der Website des Parlaments hier abrufbar. Er wird von den Co-Präsident:innen der Parlamentarischen Gruppe Fahrausbildung NR Gabriela Suter (SP/AG), NR Benjamin Roduit (Mitte/VS), NR Céline Weber (GLP/VD) sowie NR Nina Fehr Düsel (SVP/ZH) getragen.