Schluss mit dem kantonalen Flickenteppich
Die nationale Studie zu Fahreignunstest für Seniorinnen und Senioren ist publiziert. Sie stand bereits im November 2025 im Zentrum des L-drive Mobility-Forums. Studienleiterin Isabel Margot-Cattin referierte damals exklusiv. Nun liegen die Empfehlungen für die Schweiz offiziell vor.
Die Studie zur Fahreignung ab 75 Jahren ist offiziell publiziert worden. Bereits im November 2025 war sie Thema am L-drive Mobility-Forum beim ASTRA in Ittigen. Studienleiterin Isabel Margot-Cattin referierte damals am Anlass der Fahrlehrer:innen.
Durchgeführt wurde die Forschungsarbeit von der Hochschule für Sozialarbeit und Gesundheit Lausanne (HETSL) sowie der ZHAW. Auftraggeber ist das Bundesamt für Strassen (ASTRA).
Fahrkompetenzabklärung: Aktuelle Instrumente greifen zu kurz
Das heutige System weist gemäss Studie erhebliche Schwächen auf. Denn viele neuropsychologische Instrumente sagen die tatsächliche Fahreignung nur ungenau voraus. Besonders schwierig wird die Beurteilung bei kognitiven Beeinträchtigungen. Folglich entstehen Unsicherheiten bei Betroffenen wie auch bei Fachpersonen. Zudem leidet die Rechtssicherheit spürbar darunter.
Föderalismus erschwert die Fahreignungsprüfung
Der gesetzliche Rahmen sieht heute Abklärungen durch die Ärzteschaft und Verkehrspsychologen vor. Andere Berufsgruppen bleiben jedoch aussen vor. Konkret fehlen Neuropsycholog:innen, Fahrlehrer:innen und Ergotherapeut:innen im offiziellen Verfahren. International ist deren Einbezug üblich. Hinzu kommt: Die Verfahren unterscheiden sich von Kanton zu Kanton stark. Somit droht eine rechtsstaatlich problematische Ungleichbehandlung der Betroffenen.
Empfehlungen: Vierstufiges Bewertungssystem und Ausbildungsoffensive
Die Forschenden schlagen konkrete Massnahmen vor. Zentral ist ein standardisierter, fachlich begleiteter Test zur Fahreignung. Ergänzend empfehlen sie ein vierstufiges Bewertungssystem. Dieses reicht vom sofortigen Ausweisentzug bis zur uneingeschränkten Fahrkompetenz. Zudem fordern die Autorinnen und Autoren eine obligatorische Ausbildung für Ärztinnen und Ärzte. Diese soll auch weiteren Fachpersonen offenstehen. Ein Aspekt, der für die Fahrausbildungsbranche besonders relevant ist.
Mobilität als gesellschaftliche Teilhabe
Wer seinen Führerausweis abgeben muss, steht oft vor grossen Herausforderungen. Mobilität bedeutet schliesslich gesellschaftliche Teilhabe. Deshalb empfiehlt die Studie zusätzliche Unterstützungsangebote. Diese richten sich auch an Personen, die nach einer Fahrpause wieder fahren möchten. Genau hier können qualifizierte Fahrlehrerinnen und Fahrlehrer einen wertvollen Beitrag leisten.
«Die Herausforderung bei der Beurteilung der Fahreignung besteht darin, die Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig die gesellschaftliche Teilhabe und Mobilität aller zu unterstützen», sagt Isabel Margot-Cattin.
Forschungspartnerschaft mit breiter Trägerschaft
Geleitet wurde die Studie von Isabel Margot-Cattin (HETSL Lausanne). Für die ZHAW verantwortete Brigitte Gantschnig die Arbeiten. Beteiligt waren zudem das Universitätsspital Waadt mit der Abteilung für Verkehrsmedizin und -psychologie. Auch das Leenards-Gedächtniszentrum, die Berner Fachhochschule (BFH) und die Fédération romande des écoles de conduite (FRE) wirkten mit.